„Draußen“ von Mary Stormhouse (Roman)
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„Draußen“ von Mary Stormhouse – preisgekrönter Solarpunk über KI, virtuelle Welten und unsere Zukunft
Was passiert, wenn die virtuelle Welt schöner, bequemer und aufregender ist als die Realität? In Draußen von Mary Stormhouse kennt Nalani kaum etwas anderes als die künstliche Welt der Komplexe. Dort gibt es Events, Follower, Social Points und ständig neue Möglichkeiten. Die echte Welt außerhalb ihres Cubus interessiert sie nicht – bis Caiden plötzlich in ihr Leben fällt und sie unfreiwillig genau dorthin gelangt. Was folgt, ist eine ungewöhnliche Science-Fiction-Reise zwischen Dystopie und Hoffnung, die hochaktuelle Themen wie Künstliche Intelligenz, Klimawandel, virtuelle Realität und gesellschaftliche Verantwortung aufgreift. 2024 wurde Draußen mit dem Phantastikpreis SERAPH als bester Indie-Titel ausgezeichnet.
Autorin: Mary Stormhouse
Status: Einzelband
Umfang: 248 Seiten, Printausgabe
Verlag: WunderZeilen Verlag
ISBN Print: 978-3-98867-010-6
Auszeichnung: SERAPH 2024 – Bester Indie-Titel
Worum geht es in „Draußen“?
Nalani ist glücklich. Zumindest glaubt sie das. Ihr Leben spielt sich fast vollständig in einer virtuellen Welt ab, in der sie gestalten, erleben und ausprobieren kann, was sie möchte. Nur gelegentlich loggt sie sich aus, um sich um die Bedürfnisse ihres echten Körpers zu kümmern. Der kleine Cubus, in dem dieser Körper lebt, ist für sie nicht viel mehr als eine lästige Zwischenstation.
Dann taucht plötzlich Caiden auf. Durch ihn verlässt Nalani die vertraute Sicherheit der Komplexe und findet sich in einer Welt wieder, die sie kaum kennt. Regen, Gewitter, Gerüche, Pflanzen, Tiere und unkontrollierbare Natur wirken auf sie zunächst fast bedrohlicher als die Roboter, die sie verfolgen.
Caiden sucht nach Antworten. Warum leben so viele Menschen in virtuellen Welten? Wer entscheidet über dieses Leben? Und was ist aus der Welt geworden, die ihre Vorfahren kannten? Gemeinsam folgen die beiden den Spuren der Vergangenheit. Für Nalani wird daraus zunehmend eine Reise zu sich selbst – denn irgendwann muss sie entscheiden, welche Welt für sie wirklich die richtige ist.
Solarpunk statt hoffnungsloser Dystopie
Draußen wird als Solarpunk-Roman eingeordnet. Und genau das unterscheidet die Geschichte von vielen klassischen Zukunftsdystopien. Die Welt ist keineswegs perfekt und einige Entwicklungen wirken erschreckend vertraut. Trotzdem ist die zentrale Botschaft nicht: Alles ist verloren.
Solarpunk beschäftigt sich vielmehr mit der Frage, wie trotz Klimakrise, technologischer Veränderungen und gesellschaftlicher Probleme eine lebenswerte Zukunft aussehen könnte. Mary Stormhouse verbindet deshalb dystopische Ausgangspunkte mit einem deutlich optimistischeren Blick auf Veränderung, Gemeinschaft und Verantwortung.
Diese Hoffnung ist kein hübsches Anhängsel der Geschichte, sondern ein wichtiger Teil ihres Kerns. Die Figuren werden mit den Fehlern früherer Generationen konfrontiert, müssen aber nicht zwangsläufig dieselben Fehler wiederholen.
Virtuelle Welten, KI und eine Zukunft, die erstaunlich nah wirkt
Spannend ist, wie aktuell viele Ideen des Romans wirken. In Nalanis virtueller Welt bestimmen Events, Follower, Social Points und digitale Anerkennung den Alltag. Die reale Welt erscheint dagegen langweilig und unbequem.
Das erinnert bewusst an heutige soziale Netzwerke, Gamification und die zunehmende Verschmelzung von digitalem und realem Leben. Gleichzeitig spielt Künstliche Intelligenz eine wichtige Rolle. Dadurch wirkt Draußen weniger wie eine weit entfernte Science-Fiction-Vision als wie ein Gedankenexperiment darüber, wohin sich einige Entwicklungen unserer Gegenwart bewegen könnten.
Zwischen den eigentlichen Kapiteln liefern eingestreute Nachrichten und Informationen aus der Vergangenheit Stück für Stück Antworten darauf, wie diese Gesellschaft entstanden ist. Dadurch erschließt sich die Geschichte der Welt langsam gemeinsam mit Nalanis eigener Entdeckungsreise.
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Nalani entdeckt nicht nur die Welt, sondern auch sich selbst
Zu Beginn ist Nalani stark von ihrer virtuellen Umgebung geprägt. Sie kennt kaum Eigenverantwortung außerhalb des Systems und hat wenig Grund, ihre Welt infrage zu stellen. Das verändert sich, sobald sie nach draußen gelangt.
Plötzlich muss sie selbst entscheiden. Sie entdeckt Dinge, die vorher keine Bedeutung für sie hatten, erlebt echte Natur und trifft Menschen mit völlig anderen Vorstellungen vom Leben. Aus der anfänglichen Flucht zurück in die vertraute virtuelle Welt wird zunehmend die Frage, ob sie tatsächlich dorthin zurückkehren möchte.
Damit enthält Draußen auch deutliche Coming-of-Age- und Fish-out-of-Water-Elemente. Nalani entwickelt sich von einer Person, der viele Entscheidungen abgenommen wurden, zu jemandem, der Verantwortung für sich selbst und seine Umwelt übernehmen kann.
Spannung, Suchtfaktor, Anspruch, Tiefe, Emo-Faktor und Härtegrad
Suchtfaktor: 4 von 5
Tiefe: 3,5 von 5
Härtegrad: 1,5 von 5
Spannung: 4 von 5 Punkten. Roboter, Flucht, Geheimnisse und die Suche nach der Wahrheit sorgen für ordentlich Bewegung und die Frage, was hinter den Komplexen steckt und wie diese Zukunft überhaupt entstanden ist.
Suchtfaktor: 4 von 5 Punkten. Der Roman ist vergleichsweise kompakt und flott erzählt. Mehrere Leser berichten davon, die Geschichte in sehr kurzer Zeit oder sogar in einem Rutsch gelesen zu haben. Gerade das schrittweise Enthüllen der Vergangenheit hält die Neugier hoch.
Anspruch: 4 von 5 Punkten. Sprachlich bleibt Draußen zugänglich und auch thematisch steckt einiges darin. KI, Klimawandel, soziale Medien, virtuelle Identitäten, gesellschaftliche Verantwortung und die Frage nach persönlicher Freiheit bieten genügend Stoff zum Weiterdenken.
Tiefe: 3,5 von 5 Punkten. Die gesellschaftlichen Ideen besitzen durchaus Tiefe, durch die kompakte Länge bleibt für manche Figuren und Entwicklungen allerdings weniger Raum. Genau diesen Punkt sprechen auch einige Leser kritisch an und hätten Nalani und ihre Begleiter gerne länger kennengelernt.
Emo-Faktor: 3,5 von 5 Punkten. Nalanis Entwicklung, ihre Entdeckung der echten Welt und einige Beziehungen innerhalb der Gruppe sorgen für emotionale Momente. Das Buch setzt jedoch stärker auf Hoffnung, Erkenntnis und Nachdenklichkeit als auf große Gefühlsdramen.
Härtegrad: 1,5 von 5 Punkten. Trotz dystopischer Elemente, Verfolgung und bedrohlicher Situationen ist Draußen kein besonders harter Science-Fiction-Roman. Brutale Gewalt oder explizite Szenen stehen klar im Hintergrund. Damit eignet sich die Geschichte auch für jüngere Science-Fiction-Fans.
Was sagen Leserinnen und Leser über Draußen?
Viele Leser loben vor allem die Idee, die Aktualität und die hoffnungsvolle Grundhaltung. Besonders positiv kommen die virtuelle Welt, der Einsatz von KI und die eingestreuten Nachrichten aus der Vergangenheit an. Mehrfach wird beschrieben, dass die Geschichte noch nach dem Lesen zum Nachdenken anregt.
Auch Nalanis Entwicklung findet Anklang. Ihr Weg von einer Person, die ihr gewohntes System kaum hinterfragt, zu einer selbstbestimmteren Figur passt gut zum Solarpunk-Gedanken des Romans.
Gleichzeitig gibt es einen wiederkehrenden Kritikpunkt: Einige Leser hätten sich schlicht mehr Buch gewünscht. Durch die relativ kompakte Erzählweise wechseln Schauplätze und Figuren teilweise schnell, sodass insbesondere Nebencharaktere nicht immer so viel Tiefe bekommen, wie es die interessanten Ideen eigentlich erlauben würden.
Das kann man allerdings auch positiv sehen: Draußen ist keine ausufernde Zukunftssaga, sondern ein konzentriertes Science-Fiction-Gedankenexperiment, das seine zentralen Themen auf vergleichsweise wenigen Seiten erzählt.
Für wen ist Draußen geeignet?
Draußen passt besonders zu Leserinnen und Lesern, die Science-Fiction mit gesellschaftlichen Fragen mögen, aber keine Lust auf dauerhaft düstere Zukunftsvisionen haben. Wer Geschichten rund um KI, virtuelle Realität, Klimawandel, Nachhaltigkeit und alternative Gesellschaftsmodelle spannend findet, dürfte hier viel entdecken.
Auch für Jugendliche ab etwa 14 Jahren ist der Roman interessant. Die Handlung ist zugänglich, nicht übermäßig brutal und verbindet Abenteuer mit Themen, über die man auch nach dem Lesen noch diskutieren kann.
Wer dagegen sehr komplexes Worldbuilding, lange Charakterentwicklungen und einen umfangreichen Science-Fiction-Epos erwartet, könnte sich an der Kürze stören. Hier stehen Idee, Entwicklung und Botschaft stärker im Mittelpunkt als Hunderte Seiten Detailarbeit.
Draußen als Einzelband
Fortsetzung nötig: Nein
Geschichte: abgeschlossen
Elemente: Dystopie, Utopie, Coming-of-Age
Setting: Zukunft
Grundton: hoffnungsvoll
Lesetipp: für SF abseits von Raumschiffen
Draußen ist als Einzelband konzipiert und kann vollständig für sich gelesen werden. Man muss also keine lange Buchreihe beginnen. Gerade für Leser, die Solarpunk erst einmal ausprobieren möchten, ist das praktisch: Die Geschichte bietet auf überschaubarem Raum einen guten Einstieg in ein Science-Fiction-Subgenre, das bewusst nicht nur von Katastrophen erzählt, sondern nach möglichen Lösungen sucht.
Wer ist Mary Stormhouse?
Beruf: Autorin, Strategin und Texterin
Genre: Phantastik und Science-Fiction
Perspektiven: feministische und queere Themen
Debüt: Titanias Töchter
Ausgezeichnet für: Draußen
Kategorie: Bester Indie-Titel
Mary Stormhouse wollte nach eigener Biografie bereits als Kind vom Schreiben leben. Beruflich führte ihr Weg zunächst in die Werbung; heute arbeitet sie freiberuflich und schreibt fantastische Geschichten. In ihren Büchern verbindet sie unter anderem utopische Ideen, mythologische Hintergründe, feministische Gedanken und vielfältige Figuren.
Mit Draußen erhielt sie 2024 besondere Aufmerksamkeit: Der Roman gewann den Phantastikpreis SERAPH in der Kategorie „Bester Indie-Titel“. Die Grundidee des Buches entstand laut Autorin bereits rund zehn Jahre vor seiner Veröffentlichung – zu einer Zeit, als der Begriff Solarpunk noch deutlich weniger verbreitet war.
Warum hat Draußen den SERAPH 2024 gewonnen?
Natürlich ersetzt eine Auszeichnung keine persönliche Meinung, aber der SERAPH-Erfolg zeigt, dass Draußen auch innerhalb der deutschsprachigen Phantastik Aufmerksamkeit bekommen hat. Besonders auffällig ist die Kombination aus einer leicht zugänglichen Abenteuergeschichte und Themen, die sehr nah an unserer Gegenwart liegen.
Statt lediglich eine düstere Zukunft zu entwerfen, fragt das Buch: Welche Zukunft wollen wir eigentlich? Was geben wir an Technik ab? Was bedeutet Freiheit, wenn ein System uns nahezu alle Entscheidungen abnimmt? Und können Menschen aus den Fehlern früherer Generationen lernen?
Genau diese Mischung aus Warnung und Hoffnung passt hervorragend zum Solarpunk und macht Draußen zu mehr als einer Geschichte über Roboter und virtuelle Welten.
Fazit:
Ja – besonders für Leserinnen und Leser, die moderne Science-Fiction mögen, die nicht ausschließlich schwarz in die Zukunft blickt. Draußen verbindet virtuelle Welten, Künstliche Intelligenz, Klimathemen und gesellschaftliche Fragen mit einer persönlichen Reise, auf der Nalani erstmals wirklich selbst entscheiden muss, wie sie leben möchte.
Der Roman ist kompakt, flott geschrieben und bietet dennoch erstaunlich viele Themen zum Nachdenken. Wer maximale Charaktertiefe und ein riesiges Worldbuilding erwartet, hätte vermutlich gerne einige Kapitel mehr. Wer dagegen ein zugängliches, hoffnungsvolles und überraschend aktuelles Science-Fiction-Gedankenexperiment sucht, bekommt hier einen spannenden Einzelband.
Unsere Leseempfehlung: Für Solarpunk-Fans ist Draußen ohnehin einen Blick wert. Aber auch wer mit dem Begriff bisher wenig anfangen kann und einfach eine intelligente Zukunftsgeschichte über KI, virtuelle Realität, Freiheit und die Hoffnung auf eine lebenswerte Welt lesen möchte, sollte Mary Stormhouses preisgekröntem Roman eine Chance geben.
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